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13.02.2015

Für uns ist es ein zweites Leben

Flüchtlinge aus Syrien und aus dem Nordirak sind jetzt in das Caritaszentrum Rheydt gezogen. Der Caritasverband Region Mönchengladbach hat den beiden Familien zwei Wohnungen zur Verfügung gestellt.

Der Tag, der alles veränderte, begann ganz friedlich. Fadi aß mit seiner Mutter zu Mittag, sein drei Jahre jüngerer Bruder spielte draußen. Dann hörten Mutter und Sohn, dass in einem anderen Teil der syrischen Stadt Homs Bomben detonierten. Wieder einmal in diesem Bürgerkrieg. Fadi trat vors Haus, um den Bruder zu suchen. Die Bombe sah er nicht kommen. „Plötzlich war alles dunkel, das Haus stürzte zusammen und ich fiel in ein Loch“, erzählt der 17-Jährige. Vier Stunden lag er verschüttet unter den Trümmern. Nachdem er befreit worden war, fuhr ihn ein Freund mit seinem Mofa zum Krankenhaus. Seine Beine konnten die Ärzte nicht retten. Sie mussten amputiert werden.

30 Menschen wurden an diesem Samstag im Januar 2014 in Fadis Nachbarschaft getötet, weitere hundert verletzt. Vor dem jungen Mann, der kurz vor dem Abitur stand, lag ein Leben im Rollstuhl. „Prothesen gibt es nicht in Syrien“, sagt seine Mutter, die anonym bleiben möchte, weil ihr Mann und ihr 14-jähriger Sohn noch in der Heimat leben. Wegen der schweren Verletzung erhielten Fadi und sie ein Visum für den Libanon. Im September verließen sie Syrien, flogen vom Libanon aus zunächst nach Italien, wo Fadi zwei Prothesen bekam.

Seit Ende Dezember sind die beiden in Deutschland, seit Mitte Januar in Mönchengladbach, wo sie zunächst im Übergangsheim in Eicken wohnten. Nun leben sie seit zwei Wochen in einer gut 60 Quadratmeter großen Wohnung im Caritaszentrum Rheydt. „Hier ist es eine Million mal besser als in Syrien“, sagen sie, „wir haben keine Angst, es gibt keine Bombardierungen. Dafür haben wir Essen, Strom, Heizung und Internet – all das hatten wir zu Hause häufig nicht. Wir sind der Caritas sehr dankbar, dass wir hier sein dürfen.“ Nun hoffen sie, dass ihr Asylverfahren schnell abgeschlossen wird, damit der Rest der Familie nachkommen kann.

Fadi erhält bald neue Prothesen und danach Krankengymnastik, damit er sich ohne Krücken bewegen kann. Seit er seine Beine verloren hat, hat der junge Mann, der in Syrien kurz vor dem Abitur stand, ein großes Ziel: Er möchte Medizin studieren, Arzt werden und anderen Menschen helfen. Demnächst werden Fadi und seine Mutter einen Integrationskurs besuchen, berichtet Samia Sobhi. Im Auftrag des Caritasverbandes hilft die Integrationshelferin des SKM den Flüchtlingen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. „Wir hoffen, dass wir ihnen auf diese Weise den schwierigen Start in ihr neues Leben erleichtern können“, sagt Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa.

Samia Sobhi betreut auch Fathollah und Sakina Sherwani, ein aus dem Nordirak stammendes kurdisches Ehepaar, das seit fünf Monaten in Deutschland ist und nun ebenfalls eine Wohnung im Caritaszentrum Rheydt bezogen hat. „Guten Tag, willkommen, danke“, sagt der 67-Jährige Fathollah bei der Begrüßung. Auf dem Wohnzimmertisch liegt ein persisches Buch: „Deutsch auf der Reise.“

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Sie sind froh, dem Krieg in der Heimat entkommen zu sein: Fathollah (links) und Sakina Sherwani aus dem Nordirak sind ihrem Sohn Mohssen Ossman (Mitte) nach Deutschland gefolgt.

 

„Für meine Eltern ist es ein zweites Leben – in der Heimat herrscht Krieg zwischen den Kurden und der IS“, sagt ihr Sohn Mohssen Ossman, der seit 1990 in Deutschland lebt. Wegen eines Gefäßleidens am Bein wurde Fathollah Sherwani im Neuwerker Krankenhaus operiert, zwei weitere OP stehen noch aus. Er ist begeistert vom freundlichen Krankenhaus-Personal: „Sie kommen alle in den Himmel“, sagt er lächelnd. Auch seine zehn Jahre jüngere Frau ist gesundheitlich angeschlagen, sie hat einen Bandscheibenvorfall. „Meine Eltern sind sehr gute Teppichknüpfer“, erzählt Mohssen Ossman, „in der Heimat hatten sie alle drei Monate einen Teppich fertig und bekamen dafür mehr als ein Lehrer im ganzen Jahr.“

Bevor sie ihre Wohnungen im Caritaszentrum Rheydt bezogen, stellten sich das Ehepaar Sherwani wie auch Fadi und seine Mutter den hier lebenden alten Menschen vor, begleitet von zwei Dolmetschern. „Wir sind sehr freundlich empfangen worden“, berichten sie. Eine Seniorin ging auf die Flüchtlinge zu, drückte ihnen fest die Hände und hieß sie mit Tränen in den Augen willkommen.

Ein Bewohner des Caritaszentrums hat Fadi und seine Mutter sogar schon in der neuen Wohnung besucht, worüber sich die beiden sehr gefreut haben. „Wenn ich demnächst arabisch koche, lade ich ihn ein“, verspricht die 44-Jährige.

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