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11.12.2019

Wie ein Sechser im Lotto

Für Yusuf (48) ist es wie ein Lottogewinn: Der bisher wohnungslose frühere Lkw-Fahrer hat die erste Wohnung im Housing-First-Projekt in Mönchengladbach bezogen.

Noch fehlen Möbel, noch schläft Yusuf auf einer Matratze statt in einem richtigen Bett. Aber eine Küche ist bereits eingebaut, und Vorhänge sowie Gardinen an den Fenstern sorgen für eine gemütliche Atmosphäre in der knapp 50 Quadratmeter großen Wohnung in Lürrip. Um den Rest wird sich Yusuf nach und nach kümmern. Fast fünf Jahre lang hatte er keine eigene Wohnung. „Das hier ist für mich wie ein Sechser im Lotto“, sagt der 48-Jährige, „ich wäre sonst auf der Straße gelandet.“

Yusufs Vermieter ist der Caritasverband Region Mönchengladbach. Er hat die Wohnung kürzlich erworben. Der Kauf wurde unterstützt vom „Housing-First-Fonds“ des Paritätischen NRW und des Düsseldorfer Vereins Fiftyfifty / Asphalt e.V., der sich über den Verkauf von Kunstwerken finanziert. „Die eigene Wohnung ist die Ausgangsbasis für den Start in ein anderes Leben. Auf dieser Basis können dann andere Probleme, wie Schulden, Sucht oder Arbeitslosigkeit angegangen werden“, erklärte Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa, als er Yusuf in dessen neuer Wohnung gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten Jochen Klenner (CDU) und Andreas Terhaag (FDP) besuchte.

Yusuf war ein Jahr im Gefängnis und wurde 2014 auf Bewährung entlassen. „Danach war alles weg“, sagt er, „Familie, Wohnung – alles.“ Zwar hatte der Bus- und Lkw-Fahrer zunächst einen Job, dann jedoch wurde er krank, musste mehrfach stationär in eine Klinik und verlor dadurch seinen Führerschein und somit auch seine Stelle. Er kam bei seinem Sohn und dessen Frau unter, in einer ganz kleinen Wohnung, und als das nicht mehr ging, schlief er bei Neffen und Nichten und verbrachte auch mal die eine oder andere Nacht unter freiem Himmel. „Manchmal wusste ich nicht mehr, wohin ich gehen konnte“, erzählt Yusuf.

Am Ende bewarb er sich beim Verein Wohlfahrt um einen Platz im Anna-Schiller-Haus, in dem wohnungslose Menschen vorübergehend ein Zimmer beziehen können. Für die 22 Plätze gibt es jedoch eine lange Warteliste. Über den Kontakt zum Verein Wohlfahrt kam Yusuf nun an die Housing-First-Wohnung. Im Rahmen des Projekts begleiten speziell geschulte Sozialarbeiter des Vereins die neuen Mieter. „Eine Wohnung alleine reicht nicht“, sagt Geschäftsführer Martin Dalz, „wir leisten organisatorische Hilfen und unterstützen etwa bei Behördengängen.“ Auf dem normalen Wohnungsmarkt hätten wohnungslose Menschen kaum eine Chance: „Die Schufa unserer Klienten ist oft eine Katastrophe“, erklärt Dalz.

Deshalb will sich der Caritasverband hier weiter engagieren. Eine zweite Housing-First-Wohnung in Mönchengladbach kann im Januar bezogen werden, eine dritte kauft der Caritasverband gerade. „Um wohnungslosen Menschen langfristig eine Perspektive zu ermöglichen, würden wir noch weitere Wohnungen im Rahmen des Projektes erwerben, wenn das Angebot passt“, erklärt Frank Polixa. Die Wohnung darf maximal 50 qm haben, sollte zentral liegen und muss frei sein.

Caritas und Verein Wohlfahrt: Projekt Housing First

In seiner neuen Wohnung empfing Yusuf die ersten Besucher (v.l.): Martin Dalz (Geschäftsführer des Vereins Wohlfahrt), die Landtagsabgeordneten Jochen Klenner (CDU) und Andreas Terhaag (FDP) sowie Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa.  (Foto: Caritasverband)
 

Yusuf fühlt sich wohl in seinem neuen Zuhause, das er nun nach und nach möblieren will. Der dreifache Vater hat klare Ziele. Dazu gehört, dass er das Vertrauen zu seiner Familie wieder aufbauen will. „Das braucht Zeit“, weiß er. „Aber ich möchte, dass meine Kinder mich in meiner Wohnung besuchen kommen.“

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