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29.04.2013

„Hilfe! Mehr Zeit für Pflege!“

Die Botschaft war eindeutig: „Hilfe! Mehr Zeit für Pflege!“ forderten die ambulanten Pflegedienste der freien Wohlfahrtspflege Mönchengladbach bei einer Kundgebung Ende April. Sie verlangen eine deutlich bessere finanzielle Ausstattung durch die Krankenkassen – im Sinne der kranken und pflegebedürftigen Menschen. An der Aktion beteiligten sich auch über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritasverbandes für die Region Mönchengladbach-Rheydt.

Es war ein beeindruckendes Bild: Mit einem Autokorso machten die ambulanten Pflegedienste zunächst auf ihr Anliegen aufmerksam. Rund 120 Pflegedienst-Autos fuhren von Rheydt nach Mönchengladbach und rollten hupend auf den Kapuzinerplatz. Hier schloss sich die Kundgebung mit einer Podiumsdiskussion an. Gerne hätte Moderatorin Yvonne Tillmanns (Radio 90.1) die eingeladenen Vertreter der Krankenkassen begrüßt – doch die hatten ihre Teilnahme abgesagt. So erläuterten Georg Bronheim (Leiter des Caritas-Pflegedienstes), Michael Morjan (Diakonie) und Franz Schuhmacher (Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände) das Problem: Die ambulanten Pflegedienste sind unterfinanziert. Sie können die Kostensteigerungen längst nicht mehr auffangen.

Die Folgen sind erheblich: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben immer weniger Zeit für die Patientinnen und Patienten“, sagte Georg Bronheim, Leiter des Caritas-Pflegedienstes. Er nannte ein Beispiel aus der Praxis: Wenn eine Pflegekraft einer Patientin die Kompressionsstrümpfe auszieht, ihr Medikamente gibt und Augentropfen verabreicht, hat sie dafür aufgrund der Refinanzierung der Krankenkassen nur zehn Minuten Zeit – einschließlich Anfahrt, umfassender Schreibarbeiten und Organisation des Pflegeeinsatzes. Der Pflegedienst kann für diese Leistung maximal 9,12 Euro mit der Krankenkasse abrechnen – viel zu wenig, um die Kosten auch nur annähernd zu decken.

In den letzten zehn Jahren sind die Kosten in den ambulanten Pflegediensten stark gestiegen. Alleine die tarifgebundenen Personalausgaben – sie machen rund 80 Prozent der gesamten Kosten aus – haben sich von 2002 bis 2012 um mindestens 20 Prozent erhöht. Hinzu kommen höhere Benzin- und Energiepreise. Im gleichen Zeitraum hoben die Krankenkassen die Vergütungen der Leistungen für häusliche Krankenpflege um gerade einmal sieben Prozent an. Seit 2007 sind alle Verhandlungen auf Landesebene gescheitert.

Nicht selten müssen in einer vierstündigen Pflegedienst-Tour 16 und mehr Menschen versorgt werden. Vor zehn Jahren waren es noch zwei bis drei Menschen weniger. Das spüren nicht nur die Patienten. Der zeitliche Druck auf die Pflegefachkräfte steigt. Sie müssen in der gleichen Zeit immer mehr leisten und sind doch mit Herzblut dabei, wie Petra Schieben vom Caritas-Pflegedienst schilderte. Trotz Stress hätten die Pflegefachkräfte immer ein freundliches Wort für sie, lobte eine Patientin des Caritas-Pflegedienstes, die während der Kundgebung eindeutig Partei für die Forderung der Wohlfahrtsverbände ergriff. Die Seniorin wunderte sich, wie die Mitarbeiter dies alles leisten könnten. Auch sie wünschte sich mehr Zeit für die Pflege und appellierte an die Krankenkassen, angemessene Vergütungen zu zahlen.

Um weiterhin gute Arbeit leisten zu können, benötigen die ambulanten Pflegedienste deutlich mehr Geld von den Krankenkassen. Denn mehr Geld bedeutet in der ambulanten Pflege mehr Zeit. Das symbolisierte ein großes „Zeitschwein“, das vor der Bühne auf dem Kapuzinerplatz aufgebaut war. Ein kleineres Exemplar nahm Franz Schuhmacher mit, um es auf Landesebene den Krankenkassen zu überreichen.

 

 

 

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