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17.10.2019

Einander offen begegnen

Einander offen begegnen

Caritasverband informierte Angehörige über Demenz

Mönchengladbach. An Angehörige und Begleiter von Demenzkranken richtete sich eine Informationsveranstaltung des Caritasverbandes Region Mönchengladbach. Rund 50 Besucher kamen ins Caritaszentrum Holt – deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Wissen um das Krankheitsbild und Verständnis für die Erkrankten sind offenbar zunehmend stärker gefragt.

In Deutschland leben aktuell rund 1,7 Millionen Menschen mit einer ärztlich festgestellten Demenzerkrankung, Tendenz steigend. Die Deutsche Alzheimergesellschaft spricht von einer Verdopplung der Fälle in den nächsten 30 Jahren. Entsprechend wächst das Interesse der Angehörigen und Begleiter, mehr über dieses Krankheitsbild zu erfahren, die damit verbundenen Einschränkungen zu verstehen und besser darauf eingehen zu können. „Als ich in die Ausbildung ging, spielte Demenz noch keine Rolle“, sagt Caritas-Mitarbeiterin Gabriele Drücker. Sie ist examinierte Krankenschwester, hat langjährige Erfahrung im Pflegedienst und begleitet die jährliche Informationsveranstaltung des Caritasverbandes bereits seit drei Jahren. Beim Start der Reihe hörten ihr acht Besucher zu, mittlerweile sind es 50.

Im Verlauf von Gabriele Drückers Vortrag über die körperlichen und kognitiven Einschränkungen, die mit dem Alter und speziell mit einer Demenzerkrankung einhergehen, wird durch viele Zwischenfragen rasch deutlich: Offenbar hat jeder der Teilnehmer in diesem Bereich schon einmal Grenzen erfahren und selbst das Gefühl von Hilflosigkeit erlebt. Entsprechend begehrt sind die Antworten der Referentin. Was den aktuellen Forschungsstand betrifft, kann Gabriele Drücker Fakten nennen, zum Beispiel dass Alzheimer mit 30 Prozent der Fälle die häufigste von 50 verschiedenen Demenzerkrankungen ist, wie sich die Symptome typischerweise äußern und welche Präventionsmaßnahmen derzeit empfohlen werden. „Mit einem Medikament zur Heilung können wir zeitnah nicht rechnen“, sagt sie in aller Deutlichkeit.

Und wie soll man auf ungewöhnliche Verhaltensmuster von Demenzkranken reagieren? Hier sind Offenheit, die Suche nach Verständnis und der Austausch von Erfahrungen gefragt. „Die Bereitschaft der Angehörigen, über ihre teilweise schmerzlichen Erlebnisse zu sprechen und aktiv nach Unterstützung zu suchen, nimmt zu“, stellt Gabriele Drücker fest. „Aber der offene Umgang mit Demenz steht immer noch am Anfang“, ergänzt sie. Das macht Informationsveranstaltungen wie diese, aber auch Angebote zur Entlastung und nicht zuletzt von Schulungen zur Begleitung von Demenzkranken durch den Caritasverband Region Mönchengladbach so wertvoll. Besondere Resonanz findet aktuell auch das neue Konzept der ambulant betreuten Wohngruppen, das Caritas-Mitarbeiterin Irene Blaeser vorstellt. In den Niederlanden ist diese Form der Unterbringung schon länger bekannt; der Caritasverband hat im März seine erste Wohngruppe in Mönchengladbach gegründet und wird Anfang November eine zweite eröffnen, für die noch Plätze frei sind.

Nach und nach streifen die Teilnehmer an diesem Abend ihre Befangenheit ab, erzählen von ihrem Gefühl der Hilflosigkeit, wenn der Betroffene nachts ruhelos umherstreift, sich traurig in sich selbst zurückzieht oder sich auch aggressiv gegen denjenigen verhält, der doch nur helfen will. „Demenzkranke Menschen sind voller Überraschungen, weil sie sich nicht an unsere Regeln halten“, erklärt Gabriele Drücker. Dahinter steckt oft Verzweiflung. Angehörige und Begleiter vermögen diese Verzweiflung nicht aufzulösen, können aber lernen, mit den Verhaltensweisen umzugehen und eine größere Toleranz zu entwickeln.

Dabei hilft etwa der „Demenz-Parcours“, den die Caritas-Mitarbeiter zum Abschluss des Infoabends aufgebaut haben. Die Besucher können hier am eigenen Leib erfahren, wie es ist, alltägliche Aufgaben mit einer Einschränkung auszuführen. Sie versuchen vergeblich, einen Überweisungsträger auszufüllen, weil sie dicke Handschuhe und eine Brille tragen, die das Sichtfeld stark einschränkt. Ihnen gelingt es nicht, die Umrisse eines gezackten Sterns nachzuzeichnen, während sie in einen Spiegel sehen. Oben, unten, rechts, links – alles ist irgendwie vertauscht. Die Gefühle, die sie dabei entwickeln, entsprechen den Gefühlen eines demenziell veränderten Menschen.

Ebenso einprägsam ist die Erfahrung, sich in speziellen Anzügen zu bewegen, mit denen die körperlichen Einschränkungen im Alter oder auch die Folgen eines Schlaganfalls simuliert werden. Jede Bewegung fällt schwer, jede Treppenstufe stellt eine Herausforderung dar, aber jeder Schritt führt auch zu einer verständnisvolleren Haltung. Hier ist im wahrsten Sinne des Wortes der Weg das Ziel.

Info:

Wer in seiner Freizeit demenziell veränderten älteren Menschen seine Gesellschaft und mehr Lebensfreude schenken möchte, kann sich beim Caritasverband zum ehrenamtlichen Seniorenbegleiter schulen lassen. Der Kurs besteht aus einem 40-stündigen theoretischen Teil sowie einem achtstündigen praktischen Abschnitt und endet mit einem Zertifikat. Die Teilnehmer erhalten beispielsweise Informationen über Ursachen und Symptome der Demenz und erfahren, wie sie mit demenzkranken Menschen kommunizieren und sich mit ihnen beschäftigen können. Interessenten sind herzlich eingeladen zu einem Info-Abend am Donnerstag, 24. Oktober, um 18.00 Uhr in der Geschäftsstelle des Caritasverbandes an der Albertusstraße 36.

 

Einander offen begegnen

Auf dem „Demenz-Parcours“ erfuhren die Besucher bei Übungen am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, wenn man alltägliche Aufgaben mit einer Einschränkung ausführt.

Foto: Caritasverband

 

 

 

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