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08.10.2019

Housing First: Start in ein neues Leben

Die eigene Wohnung als Basis für den Start in ein neues Leben: Das ist die Leitidee von „Housing-First“, einem Modellprojekt in der Wohnungslosenhilfe. In Mönchengladbach greifen jetzt der Caritasverband und der Verein Wohlfahrt den hierzulande noch recht unbekannten, aber sehr vielversprechenden Ansatz auf, um wohnungslose Menschen zu unterstützen: Sie stellen Wohnungen zur Verfügung.

Caritas und Verein Wohlfahrt: Projekt Housing First

Sie engagieren sich gemeinsam im Modellprojekt „Housing-First“ für wohnungslose Menschen in Mönchengladbach: Frank Polixa (r.) vom Caritasverband und Martin Dalz vom Verein Wohlfahrt.
 

Auch in Mönchengladbach ist die Zahl der Wohnungslosen stark gestiegen: 2018 wurden insgesamt 573 wohnungslose Männer und 202 wohnungslose Frauen in den Zentralen Stellen beraten. Seit 2010 hat sich die Zahl bei den Männern fast verdoppelt, bei den Frauen ist es etwa ein Drittel mehr geworden.

„Housing-First“ ist ein neuer Weg, damit wohnungslose Menschen eine neue Perspektive finden: Sie bekommen zuerst eine eigene Wohnung, ohne sie an Bedingungen zu knüpfen – eine richtige Wohnung mit eigenem Schlüssel und keine Not- oder Gemeinschaftsunterkunft, auf die wohnungslose Menschen sonst angewiesen sind. „Housing-First beendet Wohnungslosigkeit unmittelbar und bietet wohnbegleitende Hilfen an. Die Wohnung ist die Ausgangsbasis für den Start in ein anderes Leben. Auf dieser Grundlage können dann andere Probleme, wie Schulden, Sucht oder Arbeitslosigkeit angegangen werden“, erklärt Frank Polixa, Geschäftsführer des Caritasverbandes Region Mönchengladbach.

Das sei ein entscheidender Unterschied zur üblichen Praxis, in der wohnungslose Menschen erst verschiedene, oft zeitlich begrenzte Wohnformen durchlaufen, bis eine normale Wohnung in Aussicht steht – wobei sie auf dem angespannten Wohnungsmarkt kaum eine Chance haben. „Viele landen wieder auf der Straße“, sagt Martin Dalz, Geschäftsführer des Vereins Wohlfahrt. Studien aus den USA und mehreren europäischen Ländern belegten: Housing-First beende Wohnungslosigkeit langfristig.

Frank Polixa und Martin Dalz hatten sich kürzlich beim Paritätischen NRW in Düsseldorf über das Modellprojekt informiert. Der Housing-First-Fonds ist ein Gemeinschaftsprojekt des Paritätischen NRW und des Düsseldorfer Vereins fiftyfifty / Asphalt e.V. Die Durchführung des Konzepts wird vom Land NRW gefördert. Der Fonds finanziert sich über den Verkauf von Kunst. So spendete der Maler Gerhard Richter eine Sonderedition mit 18 Werken, deren Erlöse den Grundstock des Fonds bilden.

Der Fonds versetzt gemeinnützige Organisationen in die Lage, den Housing-First-Ansatz umzusetzen. Er vergibt die nötige Starthilfe und steht seinen Partnern beratend und unterstützend zur Seite. „Die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der Kooperationspartner erhalten eine speziell konzipierte Weiterbildung. Außerdem wird das Projekt wissenschaftlich begleitet und evaluiert“, erläutert Martin Dalz.

Caritas und Verein Wohlfahrt haben dazu eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. „Wir haben bereits zwei Housing-First-Wohnungen in Mönchengladbach notariell beurkundet, so dass dort bald noch wohnungslose Menschen einziehen können“, berichtet Frank Polixa. Der Caritasverband erwirbt die Wohnungen, der Verein Wohlfahrt bietet die Betreuung an.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Caritasverband mit der Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ auf die schwierige Lage auf dem Wohnungsmarkt hingewiesen. Mit der Aktion „Zimmer auf der Straße“, bei der auf dem Adenauerplatz unter freiem Himmel ein Wohn- und Esszimmer aufgebaut wurde, wies die Caritas darauf hin, dass auch in Mönchengladbach die Zahl der bezahlbaren Wohnungen, insbesondere der öffentlich geförderten Sozialwohnungen, stark zurückgegangen ist. „Insofern ist unser jetziges Engagement gemeinsam mit dem Verein Wohlfahrt die konsequente Fortführung unserer damaligen Aktion“, erklärt Frank Polixa.

Weitere Informationen: www.housingfirstfonds.de

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