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14.09.2018

Jeder Mensch braucht ein Zuhause

Ein „Zimmer auf der Straße“ hat der Caritasverband Region Mönchengladbach am Donnerstag auf dem Adenauerplatz aufgebaut. Mit der Aktion weist die Caritas auf ein aktuelles Problem hin: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp – auch in Mönchengladbach. 

Eine Couch, ein Sessel, Teppiche, ein Esstisch, Stühle, ein Bücherregal: Unter den großen Bäumen am Adenauerplatz, stand für einige Stunden das Wohn- und Esszimmer des Caritasverbandes. Passanten und Gäste ließen sich hier häuslich nieder und kamen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas über die Wohnungssituation in Mönchengladbach ins Gespräch. Die von Gemeindesozialarbeiterin Brigitte Oltmanns organisierte Aktion fand statt im Rahmen der Caritas-Jahreskampagne unter dem Titel „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“. Die Möbel stellte der Volksverein zur Verfügung.

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Jeder Mensch braucht ein Zuhause: Darüber kam der Caritasverband in seinem „Zimmer auf der Straße“ mit Mönchengladbachern ins Gespräch.

 

Eine eigene Wohnung als Rückzugsort und privater Lebensmittelpunkt gehöre zu den Grundbedürfnissen des Menschen, sagte Caritas-Geschäftsführer Frank Polixa. Aber: „Wir erfahren in unseren Beratungen und Gesprächen immer wieder, dass vor allem Menschen mit geringem Einkommen, mit körperlichen, psychischen und geistigen Beeinträchtigungen sowie mit Migrationshintergrund zum Teil große Probleme haben, die steigenden Mieten zu zahlen oder eine bezahlbare Wohnung zu finden.“ Sicher sei Mönchengladbach nicht München, Hamburg oder Köln. „Aber auch bei uns verschlechtert sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt zunehmend.“ Deutschlandweit fehlen derzeit etwa eine Million Wohnungen, so die Caritas.

Ein wesentlicher Grund für den Mangel an bezahlbarem Wohnraum sei der Verlust sozial gebundener Wohnungen. Die Zahl der Sozialwohnungen sei auch in Mönchengladbach rapide gesunken. Ende letzten Jahres habe es in der Stadt 7.122 öffentlich geförderte und somit preisgebundene Mietwohnungen gegeben – 1.700 und somit fast ein Fünftel weniger als noch fünf Jahre zuvor. Hinzu kamen 1.457 Sozialwohnungen als selbst genutztes Wohneigentum. Insgesamt mache der soziale Wohnungsbau nur noch etwas mehr als sechs Prozent des gesamten Wohnungsbestandes in Mönchengladbach aus. Fachleute gehen davon aus, dass mehr als 37.600 Haushalte einen Wohnberechtigungsschein bekommen könnten.

 Zwar sei es erfreulich, dass der mietpreisgebundene Wohnungsbau in Mönchen-gladbach im vergangenen Jahr mit knapp 7,9 Millionen Euro gefördert wurde und somit neue 85 Sozialwohnungen für Menschen mit wenig Geld entstehen sollten, sagte Polixa. Die Zahl sei jedoch insgesamt viel zu gering. In den nächsten Jahren würden viele weitere Wohnungen aus der Mietpreisbindung fallen. Polixa: „Die sind zwar nicht weg, aber der Eigentümer könnte die Mieten erhöhen, wenn es der Markt hergibt.“

Derzeit bietet der Caritasverband in der Region Mönchengladbach (mit Korschenbroich) mehr als 90 Wohnungen an, die meist von älteren Menschen genutzt werden. Fast zwei Drittel davon sind Sozialwohnungen. Demnächst kommen in Holt 19 öffentlich geförderte Wohneinheiten in Form von zwei ambulant betreuten Wohngruppen hinzu. Weitere Projekte auf kirchlichen Grundstücken seien angedacht, so Polixa. Er kritisiert jedoch, dass sozialer Wohnungsbau zu bürokratisch sei und die Beantragung einen erheblichen Zeit- und Arbeitsaufwand erfordere. Zudem dauerten Genehmigungen zu lange. „Bezahlbares Wohnen gehört aus unserer Sicht neben Pflege, Kinderarmut und Alterssicherung zu den drängendsten politischen Themen“, betonte der Caritas-Geschäftsführer. Hier seien Kirche und Caritas gefordert.

„An vielen Stellen in der Stadt fördern wir ein gutes Zusammenleben in den Quartieren und unterstützen die Menschen darin, ihr Umfeld mitzugestalten und ihre Lebensbedingungen zu verbessern“, berichtete Hildegard van de Braak, Leiterin des Bereiches Soziales und Familie beim regionalen Caritasverband. Als Beispiele nannte sie die „Waldhausener Gespräche“ oder das gemeinsame Engagement von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwa in Eicken oder im Bereich der Rheydter Pfarre St. Johannes.

An der Aktion „Zimmer auf der Straße“ beteiligte sich auch die Stadtbibliothek. Sie bot Mal- und Bastelaktionen für Kinder und Jugendliche an, die sich kreativ mit dem Thema auseinandersetzen und ihr „Traumzimmer“ gestalten konnten. „Wir sind als Bibliothek das Wohn- und Arbeitszimmer der Stadt und stellen sowohl klassische Medien als auch Internet-Arbeitsplätze für die Wohnungssuche zur Verfügung. Bezahlbarer Wohnraum ist ein wichtiges Thema – wir möchten dazu beitragen, es sichtbar zu machen“, sagte Stadtbibliothek-Leiterin Brigitte Behrendt.

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