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12.06.2018

Caritas im Bistum Aachen fordert Recht auf Schuldnerberatung für alle

Aachen, 7. Juni 2018 (cba). Der Aachener Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders fordert die Politik auf, einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung unabhängig vom Einkommen der Betroffenen im Gesetz zu verankern. Schröders äußerte sich anlässlich der Aktionswoche Schuldnerberatung 2018 „Weg mit den Schulden!“.


Schröders sagte weiter, dass einerseits die Wirtschaft wachse, die Arbeitslosenzahlen niedrig seien und die Kaufkraft steige. Dem gegenüber stehe aber eine stetig anwachsende Zahl von Menschen, die von dieser wirtschaftlichen Entwicklung nicht profitierten. „Zudem hat sich ein alarmierender Trend verfestigt: Die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland ist seit 2014 zum vierten Mal in Folge angestiegen. In Deutschland sind mehr als 6,9 Millionen Menschen überschuldet oder haben nachhaltige Zahlungsprobleme.“ Diese Probleme beträfen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen. Neben finanziellen Schwierigkeiten seien oft auch soziale Probleme für diese Menschen die Folge.

Da setzt die Soziale Schuldnerberatung an. Sie hilft ver- und überschuldeten Menschen dabei, ihre sozialen und finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen, damit sie wieder Perspektiven sehen. „Die Beratung trägt dazu bei, dass überschuldete Menschen wieder das Heft des Handelns in die Hand bekommen, was ihre wirtschaftlichen Verhältnisse angeht. Sie bekommen wieder die Chance, am wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilzuhaben“, sagte Roman Schlag, der beim Caritasverband für das Bistum Aachen Referent für Schuldnerberatung ist. Die Gläubiger profitierten von der Sozialen Schuldnerberatung, weil diese zwischen Gläubigern und Schuldnern vermittele. Und auch für die öffentlichen Haushalte rechne sich die Schuldnerberatung. Verschuldete Menschen, die ihre Situation im Griff hätten, hätten verbesserte Berufsaussichten. Das senke Sozialausgaben. Zugleich stiegen Steuern und die Einnahmen der Sozialkassen, sagte Schlag weiter, der zugleich Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) ist. Diese positiven Effekte würden insbesondere dann erzielt, wenn alle Überschuldete einen ausreichenden Zugang zur Schuldnerberatung hätten, unabhängig von ihrem Einkommensstatus. „Wir fordern daher einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung. Zahlreiche Studien belegen die vielfältigen positiven Wirkungen von Sozialer Schuldnerberatung“, sagte Schlag.

Doch das allein reicht nach Auffassung des AG SBV-Sprechers nicht aus. Schuldnerberatung müsse bedarfsgerecht ausgebaut werden. Es müsse weitere, gemeinnützige Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen geben, damit der Bedarf im ländlichen Raum gedeckt, lange Wartezeiten vermieden und die Prävention ausgebaut werden könne. Zudem müsse für die Beratungsstellen eine angemessene personelle und materielle Ausstattung gewährleistet werden.


„Trotz aller Schuldbnerberatung darf die Politik nicht übersehen, dass die Grundsicherung für Arbeitslose und die Sozialhilfe nicht bedarfsdeckend sind und angepasst werden müssen“, sagte Schlag. Ratsuchende mit niedrigem Einkommen seien oftmals nicht in der Lage, größere Reparaturen oder Anschaffungen wie Waschmaschine oder Kühlschrank zu tätigen. Sie seien gezwungen, Finanzierungsangebote zu nutzen oder Darlehen beim Jobcenter aufzunehmen. Die Rückzahlung sprenge häufig das ohnehin schon knappe Budget. Überschuldung sei oftmals die Folge. „Eine bedarfsdeckende Anpassung dieser Leistungen würde helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen“, sagte Schlag.

 

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