Heimat ist ein typisch deutsches Wort. Es ist schön und schwierig zugleich. Wenn von Heimat gesprochen wird, geht es nicht nur um Orte, Regionen oder ein Land, es geht immer auch um Gefühle, um Sehnsüchte, um das ganz Persönliche. Heimat kann vieles sein und jeder Mensch verbindet damit seine ganz individuelle Erfahrung.

Wie wertvoll Heimat ist, spürt man dann besonders schmerzlich, wenn man sie verloren hat. Diese Erfahrung haben viele Menschen am Ende des Zweiten Weltkrieges machen müssen. Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben, mussten Land, Haus oder Hof hinter sich lassen und ganz von vorne beginnen. Viele Menschen der älteren Generation können sich noch gut daran erinnern: an die Flucht mit den Eltern und an all den damit verbundenen Schrecken.

Diese Erfahrung bringen auch die Schutzsuchenden mit, die in jüngster Vergangenheit nach Deutschland gekommen sind. Diese Frauen, Männer und Kinder sind vor Krieg und Vertreibung geflohen, vor Bomben, Hunger und Hoffnungslosigkeit. Für sie gab es nur einen Weg, um zu überleben: mit wenigen Habseligkeiten das Land zu verlassen, in dem sie und ihre Kinder geboren wurden.

Eine offene Gesellschaft lebt von der Vielfalt, nicht von der Beliebigkeit. Denn das Miteinander vieler und das Ausbalancieren von Unterschieden braucht Regeln. Diese Regeln bilden den Rahmen, in dem Unterschiedlichkeit gelebt und das jeweilige Gegenüber respektiert und akzeptiert werden muss. Jedes Zusammenleben basiert auf Regeln, auf die sich alle – Einheimische und Zugewanderte – einigen müssen. Einige Regeln sind dabei nicht verhandelbar wie beispielsweise die Presse- und Meinungsfreiheit, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Freiheit der Religionsausübung. 

Heimat wird nicht bewahrt oder geschützt, indem man Grenzen zieht. Heimat kann mehr werden, wenn man sie teilt. Die Menschen, die zu uns kommen, haben ihre Heimat verloren. Sie sind auf der Suche nach einer neuen Heimat, viele von ihnen mit der Hoffnung und der Sehnsucht im Herzen, eines Tages (vielleicht) in die alte Heimat zurückkehren zu können. 

Jetzt gilt es, dass wir, die Einheimischen, all das, was wir im guten Sinn unter Heimat verstehen, mit denen teilen, die alles verloren haben. Dass wir unsere Feste und Bräuche zeigen, unsere Sprache und unsere Kultur, unseren Glauben und unsere Demokratie offen und einladend leben. Und dass die Zuwanderer die Chance bekommen, Teil dieser Gesellschaft zu werden, ohne das Eigene aufgeben zu müssen. Aus dieser Vielfalt kann Neues entstehen, eine neue Heimat werden. Denn: Zusammen sind wir Heimat.